Tiegel zu und durch – so wirst du periorale Dermatitis wieder los

Periorale Dermatitis, Mundrose, Mannequin-Krankheit – das Phänomen hat nicht nur viele Namen, sondern betrifft auch immer mehr von euch. Zu den häufigsten Auslösern gehört die Überpflege der Haut mit Cremes, Make-up und Co. Die Behandlung ist so simpel wie schwer durchzuhalten: eine kosmetische Nulldiät. Warum in der akuten Phase selbst Produkte für empfindliche Haut zu viel des Guten sind und wie du das Geduldspiel für dich entscheiden kannst? Finden wir es heraus.

 

Periorale Dermatitis, was ist das eigentlich?

Rötungen und gereizte, verquollene Haut mit entzündlichen kleinen Knoten – so sieht sie normalerweise aus, die Mundrose. Unter diesem Namen ist sie allgemein bekannt, weil am häufigsten die Mundpartie betroffen ist, doch auch rund um die Augen entsteht sie oft. Durch zu reichliche Pflege quillt die Hornschicht auf, Bakterien sammeln sich und rufen Entzündungen hervor. Wenn die betroffene Partie mit Kosmetik oder Nahrung in Kontakt kommt, verschlimmert sich die Reizung. Das ist nicht nur unangenehm sondern auch unhübsch – seien wir ehrlich, am liebsten würde man sich in ein Loch verkriechen.

So nervig diese Hauterkrankung auch ist, tatsächlich hat sie nicht nur Schattenseiten:

    • Sie ist nicht ansteckend und breitet sich deshalb auch nicht wie ein Flächenbrand aus.
    • Ist sie nicht chronisch. Mit der passenden Behandlung gehen die akuten Phasen normalerweise nach einigen Wochen vorüber, ohne Narben zu hinterlassen. Was du für dafür brauchst? Nichts, ausser viel Geduld.

Darauf reagiert deine Haut jetzt gereizt

Kurz gesagt, so ziemlich alles. Die Mundrose ist keine Allergie gegen einzelne Stoffe, sondern eine generelle Überempfindlichkeit. Sie wird häufig durch zu viel Kosmetik hervorgerufen und verschlimmert. Da ist zum einen das Problem, dass einzelne Produkte heute locker bis zu 30 Inhaltsstoffe enthalten, die deine Haut erst einmal verarbeiten muss.

Zum anderen werden komplexe Pflegeroutinen propagiert mit zig Produkten nacheinander. Die summieren sich schon morgens locker zu über 100 Kosmetikzutaten (manche wiederholen sich ja). Das ist Reizüberflutung für die Haut. So wehrt sie sich schliesslich gegen einfach alles.

Was deiner Haut bei Mundrose guttut

„Der Komfort des Nichts“ – das Zitat aus einer Dany Boon Komödie trifft es eigentlich perfekt. Genau dieses luxuriöse Nichtstun braucht deine Haut jetzt. Ihr wird es grad zu viel und sie will nichts als ihre Ruhe. Deshalb verordnet auch der Hautarzt in der Regel die Nulltherapie. Kosmetische Enthaltsamkeit von wirklich allem: Reinigung, Pflege, Make-up, einfach alles tabu. Auch keine Produkte mit wenigen Inhaltsstoffen bis die Haut vollständig abgeheilt ist. Deshalb solltest du in der akuten Phase einer perioralen Dermatitis Cremes, Waschgel und Co. komplett weglassen.

Keinesfalls solltest du zu früh und zu schnell wieder Kosmetika verwenden. Nach den ersten zwei Wochen der Pflege-Abstinenz bessert sich das Hautbild zwar, aber die vollständige Regeneration braucht Zeit. Warte mindestens 6 Wochen, ehe du behutsam wieder mit Pflegeprodukten anfängst. Und auch nur, wenn wirklich alles gut verheilt ist. Gehe dann nicht einfach wieder zu deiner gewohnten Routine zurück, denn die hat vermutlich zu den Auslösern gehört. Hol dir minimalistische Pflege für empfindliche Haut und starte peu à peu.

☝️ Wann zum Arzt? Erstens wenn du dir nicht sicher bist, womit du es zu tun hast. Periorale Dermatitis ist leicht mit anderen Hauterkrankungen, vor allem Rosacea, zu verwechseln, muss aber ganz anders behandelt werden. Auch bei einer starken Ausprägung lohnt sich der Besuch beim Dermatologen. Da wird schon mal ein Antibiotikum nötig.

Was dich bei der Nulltherapie erwartet

Bei einem chilligen Strandurlaub stellt sich die Erholung erst ein, wenn all der Stress aus deinem System raus ist. Deiner Haut geht es bei Mundrose genauso. Zuerst wird sie sich sogar schlechter fühlen – der Dermatitis-Jetlag quasi. Denn nun führst du ihr ja auch keine Feuchtigkeitspflege mehr zu. Sie fängt an zu spannen, zu schuppen und fühlt sich extrem trocken an. Klar möchtest du gerne cremen, darfst aber nicht. Das ist unangenehm aber wichtig, denn in dieser Phase trocknet die aufgequollene Hornschicht aus. Das entzieht schädlichen Bakterien den Nährboden und legt die Grundlage fürs Abheilen.

Je nach Schwere kann diese Verschlimmerung rund zwei Wochen andauern. Danach kannst du endlich aufatmen. Ab jetzt wirst du dich besser fühlen. Die Symptome klingen ab und die Haut regeneriert sich. Etwa sechs Wochen braucht sie, um sich komplett zu erholen. In dieser Zeit solltest du die betroffenen Stellen einzig und allein mit lauwarmem Wasser in Berührung bringen.

Gerötete, verhornte und entzündete Stellen sind vollkommen abgeheilt? Dann darfst du wieder anfangen, Kosmetik zu verwenden. Aber ganz piano. Nun ist der Moment für minimalistische Pflege gekommen. Produkte mit nur einer Handvoll Inhaltsstoffe pflegen deine Haut, ohne sie zu überfordern. Und auch die solltest du erstmal sparsam anwenden, damit die äussere Hautschicht nicht erneut aufquillt. Wenn du mit Kosmetik gleich wieder zu grosszügig bist, riskierst du einen neuen Schub.

Dos & Don’ts bei der Nulltherapie

Die kosmetische Null-Diät ist kein Spaziergang. Doch sie ist unbedingt zu empfehlen, denn der einzige Weg, deine Haut wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Mit diesen Tipps kannst du die Heilung unterstützen und leichter durchhalten.

Dos

  1. Umschläge mit schwarzem oder grünem Tee. Die darin enthaltenen Gerbstoffe helfen vor allem in der Anfangsphase. Sie haben eine adstringierende Wirkung und sorgen dafür, dass die Haut weniger schnell aufspringt. Den Teebeutel kurz in heisses Wasser tauchen, vollständig abkühlen lassen und dann für 10 Minuten direkt auf die betroffenen Stellen legen. Der Tee sollte am besten biologisch angebaut und unbedingt nicht-aromatisiert sein!
  2. Darüber reden. Ausser der Haut leidet auch das Selbstbewusstsein. Die Tendenz geht dahin, den kompletten Jahresurlaub zu nehmen und dich auf der Couch zu verschanzen. Doch leider müssen wir häufiger mal vor die Tür. Zu übersehen ist das Problem nicht, zumal du es ja nicht abdecken darfst. Viele Frauen finden es deshalb hilfreich, offen damit umzugehen. Erzähl deinen Kollegen und Freunden einfach, was Sache ist. Sie werden das verstehen und – wenn es Nette sind – versuchen, dich aufzumuntern.
  3. Eiserne Disziplin. Leider wahr, diese Phase ist ätzend. Was motiviert dich jetzt? Das ultimative Ziel: Endlich wieder schöne Haut. Wende den Abnehm-Trick mit dem Foto an. Such dir eins, auf dem du so richtig zufrieden mit deiner Haut warst und hänge es dir gross – nein, nicht an den Kühlschrank – sondern an den Spiegel. Anstatt stundenlang deine aktuelle Problemzone zu inspizieren, wirf lieber einen langen Blick auf das Foto und sag dir: Wenn ich durchhalte, komm ich da schnell wieder hin!
  4. Ablenkung. Mit am Schlimmsten ist das Warten auf Besserung. Fakt ist: Je mehr du darüber nachdenkst, desto länger kommt es dir vor. Also denk an anderes. Du wolltest schon lange die Wohnung umdekorieren? Deinen Kleiderschrank ausmisten? Yoga lernen? Auf geht’s! Halte dich beschäftigt und geniess das gute Gefühl, wieder etwas geschafft zu haben. Nur in Stress sollte das Ganze nicht ausarten. Der ist kontraproduktiv bei Hautproblemen.
  5. Ein Ziel, ein wunderschönes Ziel, auf das du dich riesig freust. Setz dir eins! Überleg, was dir so richtig Freude macht, worauf du jetzt aber einfach keinen Bock hast – die stylische neue Bar besuchen, ein Shopping-Trip, die coole Ausstellung, die du unbedingt sehen wolltest? Das wird deine Belohnung, sobald du dich wieder danach fühlst. Mit den Durchhalte-Tipps vergeht die Zeit schneller, als du denkst ;-)

Don’ts

  1. Verzichte auf Experimente jeglicher Art. Keine neue Creme ausprobieren, kein Reinigungsmittel, kein gar nichts, ausser dem, was dir eventuell der Dermatologe verschreibt. Du wirst im Selbstversuch kein geniales Wundermittel entdecken, das alle anderen übersehen haben. Das Netz ist voll von Erfahrungsberichten, die zeigen, dass herumdoktern alles noch schlimmer macht (zum Beispiel weil diejenige einfach nicht wusste, dass es sich um eine periorale Dermatitis handelt).
  2. Kortisonsalben. Nein, was bei Neurodermitis hilft, ist nicht automatisch auch bei allen anderen entzündlichen Hautproblemen gut. Tatsächlich sollen selbst-importierte Mittel wie Kortisoncremes, die sich Flugbegleiterinnen in den 50er Jahren aus den USA mitgebracht und zu sorglos verwendet haben, perioraler Dermatitis den Spitznamen Stewardessenkrankheit eingebracht haben. Also Finger weg davon. Der Dermatologe wird bei dieser Krankheit auch kein Kortison verschreiben.
  3. Peelings. So ziemlich das Schlimmste, was du deiner Haut jetzt antun kannst. Wenn sie zu Beginn der Nulltherapie austrocknet, wird sie womöglich schuppig und verschorft beim Abheilen. Der Gedanke, die Haut durch ein Peeling zu befreien, ist verständlich aber fatal. Peelings sind absolut nicht für die empfindliche Haut bei perioraler Dermatitis geeignet. In keiner Form, weder mechanisch noch chemisch noch mit Enzymen.
  4. Direktes Sonnenlicht. UV-Licht kann eine periorale Dermatitis provozieren, ergo auch verschlimmern. Es bedeutet zusätzlichen Stress für die Haut. Ausserdem ist sie der Sonne während der Nulltherapie völlig schutzlos ausgesetzt, weil du ja keinen UV-Filter auftragen kannst. Meide also direktes Sonnenlicht und geniesse es auch danach mit Vorsicht.
  5. Meide fluorhaltige Zahncremes. Fluorid kann nämlich für die Entstehung einer perioralen Dermatitis und auch Allergien verantwortlich sein und behindert dementsprechend die Heilung.

So hältst du periorale Dermatitis auf Abstand

🐢 Fazit: Bei perioraler Dermatitis hilft nur Geduld, Geduld, Geduld. Erst nach vollständigem Abheilen kannst du behutsam wieder mit Kosmetik beginnen. Setze dabei auf äusserst verträgliche Produkte mit nur wenigen Inhaltsstoffen und wende sie sparsam an.

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Gute Besserung!
Deine Anna

 

Vom Kosmetik-Dschungel in den echten Urwald – diesen Monat schreibe ich euch aus dem schönen Panama | Five Skincare

Vom Kosmetik-Dschungel in den echten Urwald – diesen Monat schreibe ich euch übrigens aus dem schönen Panama.

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Anna Pfeiffer